Alte und neue Rechte

In Diskussionen um menschenfeindliche Bewegungen und Denkmuster wird häufig die Frage aufgeworfen, ob es nicht längst zu einem grundlegenden Strukturwandel im rechtsaußen-Spektrum gekommen sei. Zwar existieren klassisch organisierte Parteien wie die NPD weiterhin und mit der Partei "Die Rechte" kam im Jahr 2012 gar eine neue derartige Struktur hinzu, trotzdem verlieren diese offenbar zunehmend die Deutungshoheit in einschlägig eingestellten Milieus.

Dies belegen beispielsweise die sinkenden Mitgliederzahlen der NPD und die bis dato erfolglos gebliebenen Versuche innerhalb "Der Rechten" tatsächlich funktionierende Parteistrukturen zu etablieren. Auch konnten die Nationaldemokraten bis heute nicht von der Flüchtlingskrise profitieren, obwohl die Bekämpfung weiterer Zuwanderung eine ihrer Kernforderungen darstellt.

So verglich ein Mitarbeiter des Niedersächsischen Verfassungsschutzes die Beobachtung der NPD, im Hinblick auf deren katastrophalen Zustand, neulich mit dem "Schießen auf ein totes Pferd."

Auch einen qualitativen und quantitativen Abbau der ehemals bedeutenden Kameradschaftsstrukturen in Niedersachsen diagnostiziert der VS als Ergebnis seiner Beobachtungen. Die klassischen rechtsextremistischen Erlebniswelten, u.a. mit positivem Bezug auf den historischen Nationalsozialismus und ähnliche Ideen, scheinen für junge Menschen immer weiter an Attraktivität zu verlieren.

 

Ob man diese Einschätzung der Lage teilt oder nicht, es wird mehr und mehr offensichtlich, dass sich Strömungen, welche sich in Abgrenzung zur sogenannten "alten Rechten" selbstbewusst als "neue Rechte" definieren, Aufwind erhalten.

Beispielhaft kann die sogenannte "Identitäre Bewegung" gelten, welche ihre Ursprünge in Frankreich hat und die spätestens seit 2012 auch in Deutschland und Niedersachsen aktiv ist.So findet in der Landeshauptstadt Hannover ein regelmäßiger Stammtisch der ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe statt.

Der sehr professionelle Umgang mit den sozialen Medien und einige öffentlichkeitswirksame und erlebnisorientierte Aktionsformen haben die selbsternannte Bewegung dabei insbesondere für junge Menschen attraktiv gemacht.

 

(An das Schild der spartanischen Hopliten angelehnte Logo der IB)

 

Zentral ist hierbei jedoch die auch bereits aus älteren Strömungen bekannte Idee eines sogenannten Ethnopluralismus, welcher allen Beteuerungen des Gegenteils zum Trotz, schlussendlich rassistisch ist. Teil des Programms ist zudem ein Selbstbild des disziplinierten konservativ-rechten Intellektuellen. Hierzu gibt es auf der Website Videos von Klausurtagungen und Jungen Männern zu sehen, welche in bester Riefenstahl-Ästhetik im Schnee ihre morgendlichen Boxübungen ausführen. Dass im Kern dieses so geschaffenen Gemeinschaftsgefühls am Ende eine Philosophie der Fremdenfeindlichkeit und der Ablehnung steht, erschließt sich dem interessierten Beobachter bereits nach kurzer Recherche.

 

Wie die Grabenkämpfe und Entwicklungsdynamiken im rechten Spektrum weiter verlaufen, wird abzuwarten sein. Klar ist jedoch, dass im Jahre 2016 in Deutschland Gruppen und Parteien mit völkisch-nationalistischem Gedankengut erfolgreich agieren, ohne sich dabei beispielsweise positiv auf den historischen Nationalsozialismus zu beziehen. Dieser Entwicklung muss in politischer (Bildungs-)Arbeit Rechnung getragen werden.

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