Neues von der NPD (4)

In jüngster Zeit ist es verhältnismäßig ruhig um die NPD Oldenburg geworden. Auf ihrer Webseite finden sich keinerlei aktuellen Artikel lokalen Bezugs und auch der Blick auf ihr Facebookprofil zeichnet mehr das Bild eines höchst ambivalenten Verhältnisses zur sogenannten „Lügenpresse“, als denn das einer adäquat geführten Social-Media-Präsenz. Zusammenhanglos und mit großer Beliebigkeit werden hier neben Artikeln unterschiedlicher Leitmedien und Postings rechtsextremer Akteure außerdem skurrile Grafiken geteilt, deren Inhalte von skurril-tendenziösen ‚Witzen‘ bis hin zu rassistischen und verschwörungsideologischen Sprüchen erstrecken. Diese kuriose Auswahl legt abermals den Schluss nahe, dass Albert Wille die Administration der Facebookseite der NPD Oldenburg übernommen hat, teilt dieser über sein Profil dieselben Inhalte. Der 62 Jährige Uplengener (Landkreis Leer) kandidierte bereits 2013 im Zuge der Bundestagswahl im Wahlkreis Unterems für die NPD und trat zuletzt am 07. Mai bei einer NPD Kundgebung in Osterholz-Scharmbeck zusammen mit Ulrich Eigenfeld und dem Lokalkandidaten Kari-Stefan Monsees öffentlich in Erscheinung.

Obgleich programmatisch eine regelrechte Totenstille um die NPD Oldenburg und nahegelegene Ortsverbände herrscht, fand man am vergangenen Samstag, den 16. Juli 2016, in Friesland dennoch die Zeit, das jährliche Sommerfest zu veranstalten. Unter den anwesenden Personen befanden sich dabei keine Unbekannten: So nahm neben dem ehemaligen Vorsitzenden der NPD Oldenburg Eckhard Aden ebenfalls der Wilhelmshavener Jens Wagenlöhner teil. Wagenlöhner, der jüngst noch als Verantwortlicher für ein rechtsextremes Flugblatt des kameradschaftlichem Zusammenhangs Aktionsgruppe Weser/Ems auftrat, wird nunmehr als Vorsitzender des Unterbezirks Ostfriesland-Friesland auf der Webseite der NPD Niedersachsen genannt. Unter den Teilnehmenden befand sich außerdem Torsten Schönrock. Dieser hatte im November 2015 als Gründungsmitglied die junge Partei Freie Friesen freiwillig verlassen, nachdem seine neonazistische Vergangenheit bei der 1992 verbotenen Partei Deutsche Alternative – Die nationale Protestpartei als Vorsitzender und Sicherheitsbeauftragter bekannt geworden war. Ein Ausschnitt einer von Schönrocks 1992 gehaltenen Reden findet sich in einem Video dokumentiert. Darüber besuchten Mitglieder verschiedener Motorradclubs den Abend; ein Umstand, der Anlass zur Vermutung gibt, dass die regionalen NPD Zusammenhänge neben ihren Verbindungen zur freien Kameradschaften außerdem Kontakte in das entsprechende Rockermilieu unterhalten.

Musikalisch untermalt wurde der Abend von dem volksideologischen Liedermacher Fylgien. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der ehemalige Berliner NPD Bundestagskandidat Sebastian Döhring, der seit einigen Jahren eine wichtige Figur bundesweiter Rechtsrockveranstaltungen darstellt. So veröffentlichte er Alben auf einschlägigen Labels und betreibt einen eigenen Internetversand für Rechtsrock und entsprechendes Merchandise. Seine 2011 erschienene CD Mein Glaube heißt Deutschland wurde noch im selben Jahr indiziert.

 

Obgleich regionale Parteizusammenhänge der NPD zunehmend an lokalpolitischer Bedeutung verlieren, formiert sich im Zusammenschluss rechtsextremer Akteure hinaus über Partei- und Kameradschaftsanbindung ins Rockermilieu eine Allianz, deren Gefahr nicht unterschätzt werden darf.

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