Hetz-Flugblätter in Oldenburg (2)

Nachdem die  "Aktionsgruppe Weser/Ems" erst kürzlich mit mehreren Aktivisten an einer international besetzten Veranstaltung der Neonazi-Szene in Dortmund teilgenommen hatte, wurde man dort von den Kameraden offenbar inspiriert, mal wieder ein Flugblatt in Oldenburg in Umlauf zu bringen.

Auf den Titel "Deutsche Opfer, fremde Täter" ist die Gruppe um den Aktivisten Jens Wagenlöhner natürlich nicht selbst gekommen. Vielmehr hat man sich bei dem Titel eines Buches des neurechten Vordenkers und Publizisten Götz Kubitschek bedient. In diesem werden rassistische und wissenschaftlich unhaltbare Thesen konstruiert, nachdem Nicht-Deutsche grundsätzlich gewaltaffiner und krimineller seien. Um diese Behauptung zu untermauern rief Kubitschek eigens das Internetportal deutscheopfer.de ins Leben, auf der alle Gewalttaten von Nicht-Deutschen gegen Deutsche gesammelt werden sollen. Für die Stadt Oldenburg bringt es das Projekt in den sechs Jahren seines Bestehens auf lediglich drei Dokumentationen. Kubitscheks These dürfte hiermit schwerlich zu beweisen sein.

Auch der Rechtspopulist und Verschwörungstheoretiker Udo Ulfkotte verfasste unter gleichem Titel für den einschlägig bekannten Kopp-Verlag einen Artikel in dem bereits im ersten Absatz die Verbrechen in Auschwitz relativiert werden. Die Tendenz, Menschen und ihre Schicksale nach der Zugehörigkeit zu tatsächlichen oder erdachten Gruppen zu gewichten, hat in der rechtsextremistischen Gedankenwelt eine lange und traurige Tradition.

In ähnlicher Rhetorik schreiben auch die Aktivisten der Aktionsgruppe von "BRD-System" und "Lügenpresse" welche systematisch über das wahre Ausmaß der Gewalt durch Zuwanderer hinwegtäuschen würden. Die angegebene Zahl, nach der 25% aller Straftaten von Asylbewerbern ausgingen, wird nicht nur nicht durch eine Quellenangabe belegt, auch sind solche Statistiken naturgemäß etwas komplexer als hier suggeriert wird.

Ohne weitere Kontextualisierung wird als Fallbeispiel der Fall Daniel S. angeführt, der im März 2013 in Kirchweyhe von einem türkischsstämmigen (in Deutschland geborenen) Täter getötet wurde. Dieser eignet sich jedoch denkbar schlecht für den Beweis eines angeblichen Verschweigens durch die Presse, da sowohl in lokalen als auch überregionalen Medien erschöpfend über den Fall und den anschließenden Prozess berichtet wurde.

Zusätzlich sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Herkunft eines Menschen in einem demokratischen Rechtstaat - zum Glück- keine maßgebliche Größe für die Einschätzung einer Straftat durch die Strafverfolgungsbehörden darstellt. Dies galt im Übrigen auch für die 115 Strafanzeigen, die von Mitarbeitern der Gemeinde Weyhe als Reaktion auf Drohanrufe und Beleidigungen aus der rechten Szene erstellt wurden.

Warum die Ersteller ihr Flugblatt mit einer Person illustrierten, die augenscheinlich am Boden liegend, ein Küchenmesser in der Hand liegend hat, entzieht sich unserem Interpretationsvermögen.

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